MILLIARDEN ERDÄHNLICHER PLANETEN- GMX- SPIEGEL ONLINE

Veröffentlicht auf von yogi majhavi

29.03.2012, 15:16 Uhr

Milchstraße hat Milliarden erdähnliche Planeten in Kooperation mit Spiegel Online

Ein europäisches Forscherteam hat neu abgeschätzt, wie viele lebensfreundliche Planeten es in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte. Die Zahl fällt extrem hoch aus - auch wenn viele der Himmelskörper wohl regelmäßig von Strahlungsblitzen geröstet werden.

Rote Zwerge gibt es in unserer Milchstraße jede Menge. So nennen Astronomen eine Klasse von Sternen, die um einiges kleiner und an der Oberfläche deutlich kühler sind als unsere Sonne. Sie machen etwa 80 Prozent der Sterne in unserer Galaxie aus - weil sie wegen der nur langsam ablaufenden Kernfusion in ihrem Inneren extrem lange Lebensspannen haben.

Allein in der Milchstraße existieren etwa 160 Milliarden Rote Zwerge. Und dass sie ein interessantes Ziel für die Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind, ist nicht unbedingt neu. Sehr wohl neu ist aber die Schätzung eines europäischen Forscherteams, die noch einmal klarmacht, wie viele potentiell lebensfreundliche Exoplaneten es allein in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte.

Exoplanet GJ 1214b

Forscherteam bestätigt Existenz einer völlig neuartigen Planetenklasse. >

Mit dem Harps-Spektrografen, der an das 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte im chilenischen La Silla angeschlossen ist, haben sich die Wissenschaftler gut hundert Rote Zwerge am Südhimmel angesehen. Exoplaneten wiesen sie dabei indirekt nach, mit der Radialgeschwindigkeitsmethode: Die macht sich zunutze, dass der Planet mit seiner Masse dafür sorgt, dass sich das Zentralgestirn normalerweise von der Erde aus gesehen bewegt - mal von uns weg, mal auf uns zu. Dabei verschiebt sich die Wellenlänge seines ausgesandten Lichtes periodisch.

In der Nähe der beobachteten Roten Zwerge konnten die Forscher binnen sechs Jahren insgesamt neun Supererden nachweisen. Das sind Planeten mit einer Masse, die zwischen der unserer Erde und dem zehnfachen Wert rangiert. Zwei dieser Himmelskörper kreisten sogar in der sogenannten habitablen Zone, also in einer Entfernung zum Zentralgestirn, die das Vorhandensein von flüssigem Wasser auf dem Planeten möglich macht. Interessant erscheint den Forschern zum Beispiel das Exemplar mit dem Namen Gliese 667Cc. Dessen Umlaufbahn liegt sogar nahe der Mitte der habitablen Zone des entsprechenden Planetensystems.

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100 Supererden im Abstand von 30 Lichtjahren um die Sonne

Doch Gliese 667Cc ist nur einer von vielen - die schiere Zahl möglicher Planeten begeistert die Forscher. "Weil Rote Zwerge so häufig sind, führt uns das zu der erstaunlichen Schlussfolgerung, dass es alleine in unserer Milchstraße mehrere zehn Milliarden solcher Planeten gibt", sagt Xavier Bonfils vom Observatoire des Sciences de l'Univers im französischen Grenoble. Er leitete die Studie, deren Ergebnisse im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" vorgestellt werden sollen.

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Die Forscher hatten ihre Beobachtungen mit Berechnungen verknüpft, wie häufig verschiedene Arten von Exoplaneten in der Nähe von Roten Zwergen vorkommen dürften. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass Supererden dort sogar häufiger sind als große Gasriesen, vergleichbar mit Jupiter und Saturn in unserem Sonnensystem.

Die Forscher gehen auf Basis ihrer Schätzungen davon aus, dass es im Abstand von 30 Lichtjahren um unser Sonnensystem herum etwa hundert Supererden geben könnte, die Rote Zwerge umkreisen. Das ist natürlich ein statistischer Wert, gesehen hat diese Himmelskörper in unserem kosmischen Hinterhof noch niemand. Doch allein der Umstand, dass es sie in so großer Zahl geben könnte, ist faszinierend.

Allerdings sagt die Zahl der möglichen Supererden in - auf dem Papier - lebensfreundlicher Umgebung nichts darüber aus, ob sich dort tatsächlich auch Leben entwickeln konnte. Rote Zwerge haben als Zentralgestirn nämlich ein kleines Problem: Die habitable Zone liegt bei ihnen deutlich näher am Zentralstern als die Bahn der Erde an der Sonne. Und diese Nähe kann dann und wann tödliche Folgen haben - weil die Sterne zu Helligkeitsausbrüchen neigen, sogenannten Flares. "Diese Flares würden die Planeten einer sehr intensiven Ultraviolett- und Röntgenstrahlung aussetzen. Die Existenz von Leben dürfte unter solchen Umständen sehr unwahrscheinlich sein", sagt Stéphane Udry vom Observatoire de Genève, der ebenfalls an der aktuellen Studie beteiligt war.

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