Lebenserhaltend sind die Tempel und die dazu gehörenden Herbergen für
alle, die dem Weltlichen ganz entfliehen wollen und ausschliesslich in Gottes spiritueller Welt ihr Heil suchen. Sie haben deshalb keine Zeit für Erwerb oder Einkommen und sind auf die Güte
Gottes angewiesen. Man trifft Mönche, Priester, enthaltsame Asketen, Yogis, Philosophen und Sadhus, auch die Wissenden und Weisen, die entweder in Tempelnähe, an heiligen Plätzen in Ashrams
leben, oder als Pilger auf Durchreise sind. Hier geben sie ihr Wissen an die, welche durch Erwerb und Einkommen keine Zeit fürs Spirituelle haben, weiter. Da auch in allen Tempeln mit regem
Verkehr, jeden Tag mit Liebe und Hingabe Delikatessen für Gott gekocht werden, können mit den Überresten (Prasad) des Gottesmahls alle Pilger und die obengenannten Besucher gespeist werden.
Man wird ein Gast Gottes, was natürlich auch verpflichtet. Wer kann, spendet, wer es nicht kann erfährt die Segnung und Güte dieses Opferkreislaufs. Tempelköche sind ayurvedische Ernährungswissenschaftler die für Gott kochen. Damit sind sie wahre Spezialisten, was gutes geschmackvolles Essen anbelangt. Und das ganz
ohne Abschmecken! Man muss sich mal das Motiv dieser Menschen auf der Zunge zergehen lassen.
Bettler ohne religiöse Ambitionen hingegen, haben keine Chance dort etwas abzustauben. Will man
sich länger an diesen Orten aufhalten, ist es gut wenn man sich als nützlich erweist.
Die wichtigsten Tempel der jeweiligen Religionsgruppe oder Kaste sind die besonderen Top- Reiseziele der Hindus. In einer Art, die man spirituellen Tourismus nennen kann, was durchaus kein
Urlaub ist. Wenigstens einmal im Leben sollte man einen heiligen Platz aufsuchen. Pilger finden Unterkünfte, Übernachtungsmöglichkeiten und Kantinen oder Kochmöglichkeiten an den Tempeln.
Die Götter sind immer auf Besuch vorbereitet. Manche Tempel unterhalten ganze Städte die von Pilgern bewohnt werden, Städte (ohne permanente Einwohner) mit eigener Infrastruktur mit
Kraftwerken, Busservice und Flughafen für die Gäste Gottes. Indische Reisebüros b ieten Tirtha- Yatra Touren an. Primär geht es bei diesen Reisen der Hindus um die Reinigung und Beseitigung des Schmutzes, dem man unweigerlich im materiellen (sündhaften) Leben
ausgesetzt ist. Mandir, Devasthan und Tirthas, wie man die heiligen Plätze nennt, haben die Kapazität diesen Schmutz und mentalen Müll zu absorbieren. Sekundär hat man natürlich auch alle
Freuden die eine Reise bieten kann. So gibt es z.B neben tausenden von allgemeinen Shivatempeln, zwölf besondere Yotir-Lingam-Tempel, als die wichtigsten Reiseziele für die Religionsgruppe
der Shivaiten. Bei allen zwölf eine Begegnung mit Gott Shiva gehabt zu haben, ist das Ziel einiger Wanderasketen. Ein Haupt-Tempel aus diesem System befindet sich in Kathmandu/Nepal. Der Berg Kailash, als ursprünglicher Sitz des Gottes Shiva befindet sich sogar in China. Seit einiger Zeit ist es Hindupilgern auch wieder erlaubt zu diesem
heiligen Platz, dem Mansarovar- See am Fusse des Kailash zu pilgern. Vaishnavas, die Hingegebenen des Gottes Vishnu und seiner Frau der Glücksgöttin Laxmi folgen ähnlichen Systemen. Durch
die Schönheit dieser Plätze mit ihren eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten, sind sie inzwischen auch für sinnlichen westlichen Tourismus attraktiv geworden.
Wo immer sich Halbgötter, ganz offensichtlich, an einem gedachten Punkt (Brahma-Bindu) oder nach dem Wissen der Veden aufhalten, z.B wo sich mehrere Flüsse treffen, in (heissen) Quellen,
bestimmten Baumgruppen, versteinerten Termitenhügeln, Höhlen, Brunnen, Seen, Flüssen, Bergen, Wasserfällen oder aussergewöhnlichen Naturwundern sind entweder heilige Plätze (Tirthas),
Tempel (Mandir), oder beides. Da wo sich gleich mehrere Götter (deva) aufhalten, diese Plätze werden Deva-sthan genannt. Tirthas (sanskrit) werden als "Furt" verstanden. Eine seichte Stelle
im Fluss der materiellen Welt, wo man die Möglichkeit hat, in eine spirituelle Welt überzusetzen, oder, wo ein Aufenthalt vorteilhaft ist, um die göttliche
Transzendenz zu verstehen.
Gott (im Gegensatz zu den Göttern) hat seinen Tempel in den Herzen der Wesen. Wer noch Skrupel hat, kann ihn dort in Form von Gewissen wahrnehmen. Aus dem Grunde betet (bittet) man nicht zu
Gott. Für die weltlichen Belange incl. Seel- oder Hirnsorge sind die (Halb-)Götter zuständig. Zu Gott geht man nur wunschlos, man liebt ihn, also versucht man ihm in den Tempeln zu geben,
nicht zu bitten oder zu borgen. Diese liebevollen Gaben schliessen den Kreislauf aller Dinge und optimieren das gesunde Verhältnis von Geben und Nehmen:
Von Gott - über die Natur - zu Gott.
In Moscheen, christlichen, wie jüdischen Gotteshäusern gibt es keine Darstellungen von Gott, auch wird die göttliche Natur vernachlässigt, und durch Politik oder Sozialarbeit ersetzt. In
diesen Religionen befindet sich Gott immer irgendwie im Geheimen, ist unnahbar wie in einem Versteck oder unsichtbar im Hintergrund. Oft ist er ein Objekt von Spekulationen und
Interpretationen, da man kaum Angaben über ihn in den Schriften findet. Viele Hindernisse und Blockaden verhindern dem Sünder sogar einen direkten Kontakt, da im Himmel, sonstwo oder
anderweitig verhindert. Den Juden ist es, um Anmassung?? zu unterdrücken, nicht erlaubt Gottes persönlichen Namen auszusprechen, obwohl er einen hat. Die Bhuddisten haben in ihrer
Philosophie gar keinen Gott, stellen aber die Vielzahl der (Halb-)Götter als Natur oder übermenschliche kosmische Kräfte dar.
Hindus dagegen, als weltweit einzigste vegetarische Religion betrachten den Spirit mit Philosophie, Kultur und individueller Praxis. Sie versuchen frei und offen, mit dem notwendigen
Respekt, nach allen Regeln der Kunst und soweit man als Mensch in
einer limitierten Welt überhaupt dazu fähig ist, die ganze Pracht des Allpotenten darzustellen. Gottes opulenten Reichtum, Wissen, Schönheit, Kraft, Ruhm und seine Entsagung kann man an
Mandir, Devasthan, Tirtha, anderen heiligen Orten oder durch die vedische Literatur verstehen lernen. Der eine Urgott zeigt sich an den Tempeln in der Vielfalt der Götter. Man kann diesen
Spirit in beeindruckenden Extasen oder Trancen erleben, welche durch eigene Hingabe oder das allgemeine Bewusstsein oder der Atmosphäre die den heiligen Plätzen zueigen ist, hervorgerufen
werden.
Die Tempel selbst beherbergen immer heilige Besonderheiten, Darstellungen von Heiligen, der Gottheiten oder ein Bild Gottes, so wie Er in den vedischen Schriften beschrieben wird. Manchmal
auch einen Spiegel, damit man Gott in sich betrachten kann.
Das Innere wie Äussere dieser handwerklichen Meisterstücke kann man erst verstehen, wenn man die Weisheiten der vedischen Schriften und damit die Hintergründe der Details kennt. Viele Tempel stehen an einem heiligen Platz wo sich irgend welche Naturwunder
abspielen. Heilig bezieht sich bei den Hindus auf Heilbringendes für die Wesen, sei es körperlich, geistig oder spirituell. Die biologische Natur wie wir sie kennen, wird nach vedischem
Verständnis von einer Art Supernatur (Götterwelt) kontrolliert und bewegt. Diese 330 Mio. Götter machen ihren Job hauptsächlich zur Zufriedenstellung es einen Ur-Gottes und beleben somit
die Natur. Im Gegenzug für alles Erbrachte wird dieser Prozess durch die Opfer der Menschen unterstützt, denn Menschen und Götter leben in Abhängigkeit zueinander. Es ist also eine
Integration und Ergänzung von einer nutzbaren Natur, die von den Wesen ausgebeutet wird, und die dem Göttlichen ihren Tribut zahlen. Wer den Göttern opfert, wird von Ihnen materiell und in
allen Lebenslagen zufriedengestellt. Somit ist der Tempel ein Medium zur spirituellen Welt, ist immer Opferstätte, wo mit Gottesliebe und Hingabe Blumen, Blätter, Frucht und Wasser/Milch
dargebracht werden. Tieropfer, Alkoholopfer und Schamanentum findet man sehr selten und auch nur in spirituell unterentwickelten Gesellschaften oder Religionsgruppen.
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